Was ist die Quellensteuer?

Jedem Dividendeninvestor wird früher oder später auf einer seiner Ertragsabrechnungen ein Abzug für Quellensteuer über den Weg laufen. Allerdings sollte man von diesem Abzug nicht überrascht werden, sondern bereits im Vorfeld wissen, ob diese Steuer bei einem Investment anfällt.

Heute werde ich versuchen, so viele Fragen wie möglich zum Thema Quellensteuer zu erklären. Ebenfalls möchte ich bereits an dieser Stelle erwähnen, dass dieser Beitrag keine professionelle Steuerberatung ersetzt, sondern nur als Information dient.

Welche Fragen beantworte ich?

Im heutigen Artikel versuche ich Euch die Quellensteuer so zu erklären, dass Ihr Eure Steuerbelastung selbst ausrechnen könnt. Ebenfalls zeige ich Euch, ob Ihr einen Anspruch auf Rückerstattung habt. Des Weiteren werde ich darauf eingehen, welche Rolle Euer Broker bei der Erstattung spielt. Nach diesem Artikel könnt Ihr entscheiden, ob sich ein Antrag auf Steuererstattung  aus finanzieller Sicht lohnt.

Wie funktioniert die Quellensteuer?

Die Quellensteuer ist eine Steuer, die Ihr zahlen müsst, wenn Ihr ausländische Aktien oder Anleihen haltet oder in bestimmte andere Finanzprodukte investiert. Sie wird auf ZinsenDividenden und ähnliche Ausschüttungen fällig. Auf Kursgewinne wird hingegen keine Quellensteuer erhoben. Sie wird automatisch einbehalten, bevor bei Euch eine Ausschüttung überhaupt ankommt. Daher kommt auch der Name Quellensteuer, da diese Steuer direkt an der Quelle einbehalten wird. Ihr müsst Euch also nicht selbst um den Abzug kümmern.

Diese Steuer wird immer von den jeweiligen Staaten festgelegt, in denen die Zinsen oder Dividenden gezahlt werden. In den USA liegt die Quellensteuer bei 30 %. Andere Länder wie z.B. England erheben diese Steuer nicht.

Damit ausländische Aktien und Anleihen für Investoren nicht komplett unattraktiv sind, hat Deutschland mit vielen Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. In diesem Doppelbesteuerungsabkommen haben die Finanzbehörden der Länder festgehalten, wie hoch der maximale Steuersatz sein darf. In vielen Ländern liegt dieser bei 15 %.

Ist die Quellensteuer bei einem Land höher als 15 %, könnt ihr die zu viel gezahlte Steuer bei der ausländischen Finanzbehörde zurückfordern.

Wie hoch ist der Steuerabzug?

Zuerst müsst Ihr prüfen, ob es bei Eurer Dividendenausschüttung überhaupt  zu einem Steuerabzug gekommen ist.

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Quellensteuerabzug bei Unilever

In dieser Abrechnung von mir seht Ihr, dass meine Quartalsdividende von 9,68 € auf 8,23 € sinkt und das obwohl mein Freistellungsauftrag noch nicht aufgebraucht ist. Die Ursache dafür ist der Quellensteuerabzug von 1,45 €. Dieser ist allerdings nicht verloren und wird dem Punkt Quellensteuertopf weiter unten in der Abrechnung gutgeschrieben. Dieser Topf wird automatisch mit zu viel gezahlter Steuer verrechnet.

Wenn Ihr also einen Steuerabzug bei Eurer Dividendenzahlung festgestellt habt, müsst Ihr als erstes prüfen, ob es mit dem Herkunftsland ein Doppelbesteuerungsabkommen gibt. Gibt es kein Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Herkunftsland, habt Ihr keine Möglichkeit, die Dividenden zurückzuerhalten.

Dieser Link führt Euch zu der aktuellen Liste des Bundesfinanzministeriums.

Beispiele für die Steuerberechnung

Beispiel Nummer 1:

Der Quellensteuersatz in dem Ursprungsland beträgt 15 % und Ihr erhaltet 100 € Dividende von Eurem Unternehmen.

BetragSteuer/Ertrag
100 EuroDividendenzahlung
– 15 EuroQuellensteuerabzug
+ 15 Euroanrechenbare Quellensteuer dank DBA
– 25 EuroAbgeltungssteuer
– 0,55 EuroSolidaritätszuschlag (5,5 % auf AbgSt.)
= 74,45 EuroNettodividende nach Steuerabzug

 

Beispiel Nummer 2:

In dem Ursprungsland wird eine höhere Steuerbelastung als 15 % vorgenommen. In der Schweiz z.B. liegt die Steuerbelastung bei 35 %. Hier würden auf 100 € Dividendeneinnahme folgende Abzüge vorgenommen werden.

BetragSteuer/Ertrag
100 EuroDividendenzahlung
– 35 EuroQuellensteuerabzug
+ 15 Euroanrechenbare Quellensteuer dank DBA
– 25 EuroAbgeltungssteuer
– 0,55 EuroSolidaritätszuschlag (5,5 % auf AbgSt.)
= 53,90 EuroDividende nach Steuerabzug
+ 20 EuroRückforderungsanspruch an die Schweiz
73,90 EuroNettodividende nach Rückzahlung

Würde es kein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz geben, dann würden deutschen Investoren nur 53,90 € überbleiben.

Was kommt nach dem Steuerabzug?

Möglichkeit 1.:

Wurde Euch Quellensteuer abgezogen und das Herkunftsland hat mit Deutschland kein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, habt Ihr keinen Anspruch auf Erstattung. Die einbehaltene Quellensteuer ist unwiederbringlich verloren. Diese Variante ist sehr unwahrscheinlich, da es ein solches Abkommen mit allen wichtigen Industrienationen gibt. Nur wenige kleine Länder sind nicht beteiligt.

Möglichkeit 2.:

Ist der Quellensteuersatz in dem Herkunftsland 15 %, wird die Aktie genau so behandelt wie ein deutsches Unternehmen und Ihr braucht nichts zu unternehmen.

Möglichkeit 3.:

Zahlt Ihr mehr als 15 % Quellensteuer, habt ihr einen Anspruch auf Erstattung. Wenn Ihr die Quellensteuer erfolgreich zurückgefordert habt, ist das Ergebnis ebenfalls identisch mit einem Investment in ein deutsches Unternehmen.

Die Möglichkeiten Nummer 2 und 3 gelten nur in den Fällen, in denen Ihr keinen Freistellungsauftrag gestellt habt oder diesen überschreitet. Wenn Ihr einen Freistellungsauftrag erteilt habt und Eure Kapitalerträge geringer als 801 bzw. 1.602 € sind, ist die einbehaltene Quellensteuer ebenfalls verloren. Dies ist der Fall, da Ihr die Steuer nur verrechnen könnt, wenn Ihr diese auch gezahlt habt.

Sollte sich im Verlauf der Nachforschung herausstellen, dass eine Rückforderung keinen Sinn ergibt, hat Eure ausländische Investition einen finanziellen Nachteil. Eine Rückforderung kann z.B. dann ein Nachteil sein, wenn der Antrag auf Rückerstattung mehr kostet, als Ihr zurückerhaltet. Ebenfalls könnt Ihr den Aufwand der Rückerstattung an Eure Depotbank abgeben. Allerdings nehmen auch diese dafür Gebühren und Ihr müsst vorab prüfen, ob sich das Verfahren lohnt. Wenn sich ein Investment als finanzieller Nachteil herausstellt, solltet Ihr herausfinden, ob es nicht ein Alternativinvestment in einem anderen Land gibt.

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