Mintos – Wie läuft das Auflösen meiner Anlage?

2019 war sicherlich ein sehr gutes Börsenjahr, aber ein schlechtes Jahr für Mintos. Meiner Meinung nach war die Plattform zu schnell gewachsen, um die Unmengen an Kundengeldern anlegen zu müssen. Eine Folge davon war, dass die Anlagezinssätze immer weiter gesunken sind. Doch dann begannen die negativen Nachrichten. Aforti, Metrokredit, Rapido Finance, luteCredit und Monego meldeten Ende des Jahres erhebliche Probleme, als Folge wurden alle Kredite auf dem Primär- und Sekundärmarkt vom Handel ausgesetzt. Bei mir waren damals 317 € meines Investments betroffen und meine Rendite sank auf nur noch 5 % zusammen. Damit stand das Rendite-Risiko-Verhältnis in keinem tragbaren Verhältnis mehr und ich beschloss, meine Anlage bei Mintos aufzulösen.

Ich kann jedem, der in Mintos investiert ist nur empfehlen, auch einmal diese kritische Sicht der Dinge ganz zu lesen.

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Am meisten wundert mich, dass viele Finanzblogger weiterhin Werbung für die Plattform machen – ohne auf die zuletzt aufgetreten Probleme hinzuweisen. Für mich stand am 28.12.2019 fest, dass ich so schnell wie möglich mein gesamtes Kapital bei Mintos abziehen und in Aktien investiveren werde. Dass mir das Coronavirus dafür noch sehr gute Einstiegskurse beschert, konnte ich damals noch nicht ahnen. Trotzdem kaufte ich so oft, wie sonst in einem Jahr nicht.

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Wie läuft der Abzug bei Mintos?

Ich stellte direkt am 28.12.2019 alle Kredite, die noch handelbar waren, auf dem Sekundärmarkt zum Verkauf. Selbstverständlich wollte ich den vollen Preis und war nicht bereit, einen Abschlag hinzunehmen. Von 3.500 € konnte ich noch über ca. 3.200 € verfügen. Anfangs gefiel mir der Sekundärmarkt noch sehr gut und ich konnte 1.500 € an drei Tagen flüssig machen.

Danach passierte über diesen Weg so gut wie gar nichts mehr. Obwohl der Großteil meiner Kredite keinen Verzug hatte, fand ich bis heute so gut wie keinen Abnehmer mehr. Seit dem 28.12.2019 erhielt ich bis heute noch 41,22 € an Zinszahlungen.

Da über den Sekundärmarkt praktisch kein Handel mehr mich möglich ist, bin ich auf Tilgung und Rückkäufe angewiesen. Allerdings gestaltet sich dieser Weg als sehr mühsam.

Mintos
Mein Kontostand bei Mintos – Stand 12.02.2020

Stand heute bin ich noch mit 784,05 € bei Mintos investiert. Damit habe ich für mich einen sehr wichtigen Meilenstein erreicht. Da ich 834,76 € an Rendite erzielt habe, kann ich nicht mehr ins Minus rutschen. Auch wenn es sehr unbefriedigend wäre, nach 5 Jahren nur 50 € an Zinsen erhalten zu haben, ist es doch immer noch besser als das Sparbuch.

Wie Ihr sehen könnt, sind 114,10 € stark in Verzug, was mir kein gutes Bauchgefühl gibt. Auch die Anzahl an “ausstehenden Zahlungen” wächst fast täglich. Nach der Definition von Mintos sind dies Zahlungen, die sich im Prozess der Kontogutschrift befinden. Aus meiner Sicht ist dies eine absolute Lüge oder die Kontogutschrift dauert seit neustem 7 Tage plus X.

Kontoauszug von Mintos
Kontoauszug von Mintos

Wie Ihr sehen könnt, habe ich in der letzten Woche von Mintos 0,38 € erhalten. Dabei stehen 78,60 € seit längerem aus. Deshalb ziehe ich seit einiger Zeit alles ab, was irgendwie liquide ist.

Wie geht es Mintos?

Wer sich die offiziell veröffentlichen Nachricht von Mintos ansieht, stellt schnell fest, dass man an jedem Problem sehr konstruktiv arbeitet, sich in einem positiven Austausch befindet oder bereits irgendeine Lösung gefunden wurde. Allerdings kamen die Probleme bei Mintos fast zeitgleich mit der Coronakrise. Dadurch ziehen massenhaft Anleger ihr Geld bei Mintos ab. Auch nahmen der Handel auf dem Sekundärmarkt dermaßen stark zu, dass man eine Gebühr einführen musste. Ab sofort zahlt jeder, der auf dem Sekundärmarkt etwas verkauft, 0,85 % an Mintos. Dies mag wenig klingen, aber wer in die Statistik schaut, sieht, dass in den letzten beiden Monaten dort jeweils 40 Millionen Kredite verkauft wurden. Sollte dieses Volumen auch nach Einfuhr der Gebühr so hoch bleiben, verdient Mintos 340.000 € pro Monat.

Ebenfalls ist die Anzahl neu finanzierter Kredite brutal eingebrochen und erstmals seit Jahren steigen die Zinsen auf der Plattform wieder. Da der Zins das Risiko bepreist, ist dies auch nur logisch. Aber auch das aggressive Werben von Mintos, dass aktuell ein drittel der Kredite mit mehr als 14 % verzinst werden, bewegt kaum noch jemanden zum Anlegen.

Neu finanzierte Kredite auf Mintos
Neu finanzierte Kredite auf Mintos

Nun kommt die Zusatzfrage: “Wo geht das Geld hin, welches nicht mehr angelegt wird?”. Leider veröffentlicht Mintos genau darüber keine Statistik. Allerdings bin ich mir sicher, dass viele Anleger genau wie alles abziehen. Das würde auch erklären, warum die “ausstehenden Zahlungen” ansteigen, aber kein Geld auf mein Konto gelangt. Mintos erlebt zur Zeit einen Banken-Run und besitzt nicht durchgehend Liquidität .

Fazit

Sollte der Mix aus Coronakrise und ungelösten Problemen bei Mintos noch lange anhalten, wird auch ein Riese irgendwann schwach. Das ständige Liefern von positiven Nachrichten wird auch bei den letzten positiv gestimmten Anlegern nicht ewig anhalten, wenn keine Ergebnisse erzielt werden. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist für mich auf dem Aktienmarkt deutlich attraktiver. Ich wünsche mir allerdings, dass ich mit meinem schlechten Bauchgefühl bei Mintos unrecht behalte und am Ende niemand Geld verliert.

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